Ölerschließung gefährdet Tiefseeregion im Mittelmeer

Wädenswil, 13. Mai 2019. Dutzende Wissenschaftler, Umwelt- und Artenschutzorganisationen äußern in einer gemeinsamen Stellungnahme an den griechischen Premierminister Alexis Tsipras ihre Sorge über die geplante Ölerschließung vor Griechenland. Anlass: die Vergabe von Bohrlizenzen und Genehmigungen für die Suche nach neuen Ölfeldern durch den Einsatz von Schallkanonen in der Tiefseeregion des hellenischen Grabens und im Gebiet der Ionischen Inseln, einem der Herzstücke des griechischen Sommertourismus.

Die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare, die sich seit Jahren in zahlreichen Gremien für den Schutz der artenreichen Regionen im Mittelmeer und für eine Reduktion des Unterwasserlärms einsetzt, unterstützt den Aufruf, den WWF Griechenland und griechische Wissenschaftler lanciert haben. Die Region ist wichtiger Lebensraum von zahlreichen stark gefährdeten und akustisch sensiblen Tierarten, darunter auch kleine und darum gefährdete Pottwal-Populationen, tieftauchende Schnabelwale und (Gewöhnliche) Delphine. Die Ölerschließung ist in weit tieferen Gewässern geplant als vergleichsweise im Golf von Mexiko, wo sich vor neun Jahren die Katastrophe durch die Ölplattform Deepwater Horizon ereignete.

„Es ist ein unverantwortliches Spiel mit dem Feuer, in solchen Tiefen nach Öl zu suchen, da es im Ernstfall zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes kommen kann. Der Einsatz von Schallkanonen ist nicht nur für Pott- und Schnabelwale eine immense Gefahr, sondern auch für andere Arten“, äußert sich Nicolas Entrup, Ocean-Policy-Experte bei OceanCare, besorgt.

„Vom Pariser Abkommen erwarten wir intensive Bemühungen, die Energiewende herbeizuführen, und nicht, hoch sensible Lebensräume für die Erschließung von möglichen Ölvorkommen freizugeben. Der hellenische Graben ist als Schutzgebiet auszuweisen!“ fordert Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare. Sie fordert die griechische Regierung auf, einen Richtungsschwenk zu vollziehen.

Seit Jahren fordern Wissenschaftler und internationale Gremien wie der Wissenschaftsausschuss des Abkommens für den Schutz von Walen und Delphinen im Mittelmeer (ACCOBAMS), dass der bis zu 5 000 Meter tiefe hellenische Graben unter Schutz gestellt wird.

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