Walkampf in Brasilien: Harpuniert Walfangkommission das Walfangverbot?

Florianópolis, Brasilien, 5. September 2018. „Wird die Internationale Walfangkommission erwachsen“, „wird der Status Quo einzementiert“ oder schreitet das Gremium „zwei Schritte zurück in die Zukunft?“. So fasst Nicolas Entrup, Delegationsleiter der Meeresschutzorganisation OceanCare, die Herausforderung der am 10. September in Florianópolis, Brasilien, beginnenden 67. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zusammen, jener Institution, die für die kommenden Jahre über die weltweiten Walfangaktivitäten entscheidet. OceanCare ist als IWC-Beobachterin mit drei Experten vor Ort und berichtet regelmäßig über die Konferenz.

Die japanische Regierung, seit jeher massive Befürworterin des Walfangs, hat der IWC einen umfassenden Reformvorschlag vorgelegt. Danach soll die Vergabe von Walfangquoten für kommerzielle Zwecke in Zukunft möglich sein. Einziges Kriterium: Die Fangquoten sollen „nachhaltig“ sein. Solche Beschlüsse sollen nicht mehr eine Dreiviertelmehrheit erfordern, sondern bereits mit einfacher Mehrheit umgesetzt werden. Das seit 1986 geltende weltweite Walfangverbot würde damit gekippt.

„Kommerzieller Walfang ist nicht nachhaltig und wird es nie sein. Im Gegenteil. Die alleine im 20. Jahrhundert geschätzten 3 Millionen getöteten Wale und die kommerzielle Ausrottung zahlreicher Populationen sind Zeugnis einer fatalen Praxis, der sich langsam fortpflanzende Meeressäuger nicht standhalten“, sagt Nicolas Entrup von OceanCare.

Gastgeberland Brasilien, hält diesen Begehrlichkeiten die „Florianópolis-Deklaration“ entgegen. Die Deklaration sieht in der Walbeobachtung die einzige im 21. Jahrhundert gerechtfertigte kommerzielle Nutzung der Walbestände. Ziel der Deklaration ist die Transformation der IWC von einer Wal-FANG-Kommission in ein modernes Wal-SCHUTZgremium mit der Absicht, sämtliche Walbestände wieder auf jenes Niveau zu bringen, das vor der industriellen Bejagung in den Weltmeeren herrschte.

 


Hintergrundinformationen

Die Konvention zur Regulierung des Walfangs (ICRW) wurde im Jahr 1946 von 15 Staaten verhandelt und trat 1948 in Kraft. Heute zählt die das Abkommen verwaltende Internationale Walfangkommission (IWC) 88 Mitgliedsstaaten. Im Jahr 1982, nach Jahrzehnten der intensiven industriellen Bejagung weltweiter Walbestände, entschied die IWC, den kommerziellen Walfang zu verbieten. Das sogenannte Moratorium, die vielleicht größte Errungenschaft im internationalen Artenschutz, trat 1986 in Kraft, rettete seither Hunderttausenden Walen das Leben, wird jedoch seitens Norwegens, Islands und Russlands nicht anerkannt.

OceanCare wird mit Nicolas Entrup, Thomas Schweiger und Fabienne McLellan an der IWC-Tagung in Florianópolis vertreten sein und regelmäßig in einem Online-Blog über ihre Erfahrungen berichten: www.oceancare.org/blog

2018-09-06T13:10:06+00:00