Walfang in Island:

Tourismusbranche in der Mitverantwortung

Einerseits boomt der Walbeobachtungstourismus in Island, andererseits sind wenig aufgeklärte Touristen zunehmend ein Motor des Walfangs in Islands Gewässern, wenn sie Walfleisch „kosten“ oder Souvenirs aus Walprodukten kaufen (die sie gar nicht legal ausführen dürfen). OceanCare und andere NGOs suchen nun die Kooperation mit Fluglinien, um umfassend aufzuklären.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung vom 31. Mai 2017:

Walfang in Island: Auch Reisebranche in der Verantwortung

Walschützer laden Fluggesellschaften zur Zusammenarbeit ein, die Wale Islands zu schützen.

Wädenswil, 31. Mai 2017. Eine Koalition europäischer Tier- und Artenschutzorganisationen appelliert an europäische Fluggesellschaften, die nach Island fliegen, ihren Passagieren vom Kauf von Walprodukten dringend abzuraten.
Island ist eine beliebte Destination für Walbeobachtungsreisen. Mit Beginn der  Hauptreisezeit steht aber auch die jährliche Jagdsaison der isländischen Walfänger unmittelbar bevor. Bis zu 264 Zwergwale können getötet werden. Ein Großteil des Fleisches wird an Touristen verkauft werden.

Die Tier- und Artenschutzorganisationen suchen aktuell das Gespräch mit Vertretern unter anderem von Easyjet, British Airways, Lufthansa und Norwegian Airlines. Wichtig ist, dass Fluggesellschaften Werbung für Walfleisch oder für Lokale, die Walfleisch anbieten, nicht annehmen.

„Der größte Teil des Walfleisches wird von Touristen konsumiert, die paradoxerweise oft aus walfreundlichen Ländern kommen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass in Bordmagazinen mit Werbung oder Artikeln nicht der falsche Eindruck erweckt wird, es handle sich um ein verbreitetes oder traditionelles Nahrungsmittel. Mitunter auch aufgrund des hohen Schadstoffgehalts essen heute nur noch wenige Isländer Walfleisch. Fluggesellschaften, die eine Bewerbung von Walfleisch zulassen, würden zu Komplizen der Walfangindustrie“, sagt Vanessa Williams-Grey, Policy Manager von WDC, Whale and Dolphin Conservation.

Sandra Altherr, Mitbegründerin von Pro Wildlife, fügt hinzu: „Der Walfang in Island wird von Touristen, die Walfleisch essen, aufrecht erhalten. Die Fluggesellschaften müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass die große Mehrheit ihrer Kunden die Jagd auf Wale ablehnt.“

In einer konzertierten Aktion starten amerikanische Tier- und Artenschutzorganisationen eine ähnliche Kampagne, die sich an kanadische und US-amerikanische Fluggesellschaften richtet. Alle beteiligten Organisationen wenden sich auf beiden Seiten des Atlantiks mit der Bitte an Island-Reisende, die isländische Walbeobachtungsbranche zu unterstützen, nur in Restaurants zu essen, die kein Walfleisch anbieten, und keinerlei Walprodukte zu kaufen.

„Wir brauchen die Unterstützung der Fluggesellschaften, um deren Passagiere vom Konsum von Walfleisch abzuhalten. Die Versuchung, der die Touristen erliegen könnten, hat einen hohen Preis. Island ist ein großartiger Ort, um Walen in freier Wildbahn zu begegnen. Wir hoffen, dass die Fluglinien bereit sein werden, zusammen mit uns die walfreundlichen Wirtschaftszweige in Island zu unterstützen“, so Jennifer Lonsdale, Senior Oceans Campaigner der Environmental Investigation Agency.

Im Jahr 1991 unternahmen in Island gerade einmal 100 Personen Walbeobachtungstouren.  Heute erfreuen sich Hunderttausende der jährlich mehr als zwei Millionen Island-Besucher an Begegnungen mit Buckel-, Finn- und Zwergwalen auf See.

An Land aber sind es primär die Touristen, die Walfleisch konsumieren. Die meisten der 2016 getöteten 46 Zwergwale landeten in Restaurants und Lebensmittelgeschäften – irreführend als „traditionelle“ lokale Speise vermarktet. Geschnitzte Walknochen, -barten und -zähne werden als Souvenirs an Touristen verkauft, obwohl der Import von Walprodukten außer in Japan, Norwegen, Färöer, Palau und St. Vincent in allen Ländern der Erde verboten ist.

„Obwohl es illegal ist, Walprodukte in die allermeisten Staaten einzuführen, wird dies von Touristen immer noch gemacht“, hält Fabienne McLellan, Stv. Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, fest. „Wir begrüßen es sehr, wenn auch die Fluggesellschaften zur Bewusstseinsbildung beitragen, indem sie auf die unvergessliche Chance, Wale in freier Wildbahn zu beobachten, hinweisen, aber auch klar warnen, dass die Mitnahme von Walprodukten strafbar und der Konsum von Walfleisch ethisch nicht vertretbar ist und zum Beispiel aufgrund hoher Quecksilberwerte gesundheitsschädlich sein kann. Gemeinsam mit den Fluggesellschaften wollen OceanCare und ihre Partnerorganisationen zeitgemäßes, verantwortungsbewusstes Handeln fördern.“

Islands Walfänger missachten das globale Verbot des kommerziellen Walfangs, das von der Internationalen Walfangkommission 1986 beschlossen wurde. Seit sie den Walfang im Jahr 2003 wiederaufgenommen haben, gestattete die isländische Regierung die Tötung von mehr als 700 gefährdeten Finnwalen, deren Fleisch überwiegend nach Japan exportiert wird, und von 630 Zwergwalen.

Medienkontakt
Fabienne McLellan, stv. Leiterin Internationale Zusammenarbeit, OceanCare: T: (+41) 44 780 66 88, M: (+41) 79 456 77 07, fmclellan@oceancare.org
Nicolas Entrup, Konsulent für OceanCare: M: (+43) 660 211 9963, nentrup@oceancare.org

Weiterführende Links und Informationen
•    https://www.ifaw.org/sites/default/files/reasearch-on-attitudes-toward-commercial-whaling-2012.pdf
•    https://awionline.org/content/uk-and-german-citizens-overwhelmingly-reject-icelands-commercial-whaling
•    https://theculturetrip.com/europe/iceland/articles/who-is-eating-icelands-whales/
•    https://www.wochenblatt.de/nachrichten/welt/Zoll-stellt-vermehrt-Walsalami-bei-Kreuzfahrtreisenden-sicher;art5578,321077

OceanCare
Seit 1989 setzt sich OceanCare weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie dem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Im Juli 2011 erhielt die Organisation von den Vereinten Nationen den UN-Sonderberaterstatus zugesprochen. www.oceancare.org

Pro Wildlife

Pro Wildlife ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Deutschland, die sich global für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume einsetzt. Weltweit unterstützt Pro Wildlife Artenschutzprojekte vor Ort und leistet Aufklärungsarbeit, um Wildtierhandel und Wilderei einzudämmen. Pro Wildlife nimmt an Konferenzen wie der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) teil, um den Schutzstatus von Wildtieren weltweit zu verbessern. www.prowildlife.de

Whale and Dolphin Conservation
WDC, Whale and Dolphin Conservation, ist die weltweit grösste gemeinnützige Organisation, die sich speziell dem Schutz von Walen und Delfinen widmet. Durch Kampagnen, Lobbying, Beratung von Regierungen, Naturschutzprojekte, Feldforschung und Tierrettung verteidigt WDC diese bemerkenswerten Tiere gegen die vielen Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. https://de.whales.org

Environmental Investigation Agency
Die Environmental Investigation Agency (EIA) ist eine unabhängige Kampagnen-NGO mit Sitzen in London und Washington D.C. Sie will einen Wandel herbeiführen, der die Natur vor Umweltkriminalität und Ausbeutung schützt. Zu ihren Kampagnenzielen zählen der verstärkte weltweite Schutz von Waltieren und die Verminderung der Plastikverschmutzung der Meere. Darüber hinaus arbeitet die EIA an der Aufdeckung und Bekämpfung einer große Bandbreite an Umweltverbrechen, darunter illegaler Handel mit Wildtieren, illegale Entwaldung, Giftmüll u.a. Weitere Informationen unter www.eia-international.org.

2018-02-13T15:56:03+00:00